Das CaptMarvell-Portfolio liegt 2026 bei +51,98 %, hält aber nur rund 1,4 % Cash. Warum Liquidität kein Markt-Timing, sondern ein Prozesswerkzeug ist.
Das Portfolio liegt aktuell bei +51,98 % im Jahr 2026. Gleichzeitig beträgt der Cash-Anteil nur noch rund 1,4 %, bei 100 % Marktexposure.
Das ist kein Alarmzeichen. Es ist aber eine klare Prozessmarke.
Gute Performance schützt nicht vor schlechten Entscheidungen
Nach einer starken Phase fühlt sich ein fast vollständig investiertes Portfolio oft effizient an. Kapital arbeitet, die Gewinner laufen, und Cash wirkt wie eine Bremse.
Das Problem zeigt sich erst, wenn Volatilität zurückkehrt. Ohne Reserve wird aus einer attraktiven Chance schnell eine Entscheidung unter Zeitdruck: verkaufen, obwohl man nicht verkaufen möchte – oder zusehen, obwohl man gerne handeln würde.
Cash ist deshalb für mich keine Prognose über den nächsten Rücksetzer. Es ist Handlungsfreiheit.
Aktuelle Liquiditätsreserve
Nahezu vollständig investiert
Stand 8. Oktober 2026
Der Markt belohnt Wachstum – aber der Preis des Kapitals ist hoch
Die fundamentale AI-Nachfrage bleibt stark. Gleichzeitig bewegen sich langfristige US-Renditen nahe Mehrjahreshochs. Laut Reuters lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen Anfang Oktober nur knapp unter dem jüngsten Hoch von 5,34 %, dem höchsten Niveau seit 2002. Hohe Renditen erhöhen die Bewertungssensitivität gerade bei wachstumsstarken Technologieaktien. Quelle: Reuters, 7. Oktober 2026
Hinzu kommen unternehmensspezifische Risiken, die kaum planbar sind. Bei Micron stimmten beispielsweise 99 % der teilnehmenden Mitglieder einer Gewerkschaft am taiwanischen Produktionsstandort Taoyuan für eine Streikermächtigung. Ein Streik ist damit noch nicht beschlossen, doch das Beispiel zeigt, wie schnell ein einzelnes Ereignis die Risikolage verändern kann. Quelle: Reuters, 7. Oktober 2026
Der Prozess ist einfacher als eine Marktprognose
Mein nächster Portfolioschritt muss deshalb nicht zwingend eine neue Idee sein. Sinnvoller ist es, Liquidität schrittweise wieder aufzubauen:
- nicht hektisch an einem schwachen Tag verkaufen,
- erholte oder übergrosse Positionen selektiv zurückführen,
- einen stabilisierenden ETF-Anteil ausbauen,
- und neue Käufe vermeiden, solange die Reserve zu klein ist.
Das Ziel ist nicht, den perfekten Höchststand zu treffen. Das Ziel ist, beim nächsten Rücksetzer nicht zum erzwungenen Verkäufer zu werden.
Für mein Portfolio bleibt ein Cash-Korridor von ungefähr 10 % ein vernünftiger mittelfristiger Orientierungswert. Er hält das Portfolio investiert, schafft aber wieder Raum für Entscheidungen.
Cash erzielt selten die spektakulärste Rendite. Sein Wert zeigt sich in dem Moment, in dem es Wahlmöglichkeiten schafft.
Cash ist keine Marktprognose. Es ist die Reserve, die verhindert, dass Volatilität den Zeitpunkt deiner Entscheidungen bestimmt.
Eine Reserve von rund 10 % ist kein Versuch, den Markt zu timen. Sie ist ein struktureller Puffer für Rebalancing und neue Chancen.
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